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Vom Labor zur Produktion: Das Launch & Technology Center in Darmstadt
Wie Merck mit einer flexiblen Infrastruktur und konsequentem Containment den Weg neuer Wirkstoffe in die Fertigung beschleunigt
Ein Gebäude, das den Übergang von Forschung zur Produktion organisiert
Auf dem Merck-Campus in Darmstadt steht mit dem neuen Launch & Technology Center ein Gebäude, das bereits von außen signalisiert, wofür es entwickelt wurde: Struktur, Präzision und klare Funktion. Hinter der zurückhaltenden Architektur eröffnet sich auf 13.900 Quadratmetern eine technische Umgebung, die den Übergang von Forschung zu Produktion neu organisiert. Jeder Bereich ist darauf ausgelegt, unterschiedliche pharmazeutische Projekte nahtlos in skalierbare Herstellprozesse zu überführen.
Im Inneren begegnet man einer Architektur, die Arbeitsabläufe fördert statt begrenzt. Reinraumbereiche, Technikzonen und Laborflächen sind so miteinander verzahnt, dass definierte Material- und Personenströme entstehen. Medienkanäle und Versorgungssysteme ziehen sich wie eine unsichtbare Linie durch das Gebäude und verbinden die Bereiche zu einem funktionalen Gesamtsystem. Schon jetzt, bevor die erste Anlage in Betrieb geht, ist erkennbar, wie flexibel die Infrastruktur ausgelegt ist: Anschlusspunkte, modulare Räume und klar getrennte Funktionszonen ermöglichen zukünftige Prozessketten, ohne das Gebäude grundlegend verändern zu müssen.


Durch die Reinraumfenster zeigen sich die Flächen, in denen später mit hochaktiven Substanzen gearbeitet wird. Hier sollen Prozesse stattfinden, die unter strengsten Containment-Anforderungen ablaufen. Die Räume wirken zurückhaltend, doch ihre technische Bedeutung ist klar: reproduzierbare Bedingungen schaffen, Sicherheit gewährleisten und variable Prozessanforderungen zuverlässig beherrschen.
Auch die Versorgungstechnik folgt diesem Anspruch. Ein geothermisches Energiesystem, Photovoltaikflächen und optimierte Abwasserbehandlung sind integrale Bestandteile des Gesamtkonzepts. Nachhaltigkeit ist hier kein Zusatz, sondern Teil der technischen Logik des Gebäudes.
So entsteht im Launch & Technology Center kein starres Produktionsumfeld, sondern ein System, das auf Veränderbarkeit ausgelegt ist. Ein Gebäude, das verschiedene Wirkstoffe, unterschiedliche Prozesse und neue Anforderungen aufnehmen kann – und dabei immer die gleiche Prämisse verfolgt: kontrollierte Bedingungen, klare Strukturen und höchste Sicherheit.
Technologie & Ausstattung im Überblick
Flexibilität
Das Launch & Technology Center ist als technische Plattform konzipiert, die unterschiedlichste Wirkstoffe und Prozesse aufnehmen kann, ohne strukturelle Änderungen am Gebäude zu erfordern.
High Containment
Integrierte Filtration
Digitale Anbindung
Technische Systeme verfügen über digitale Schnittstellen zur Erfassung von Betriebs- und Prozessdaten und unterstützen Dokumentation und transparente Anlagenüberwachung.
Architektur für Wirkstoffe, die erst noch entdeckt werden
Die besondere Herausforderung des Launch & Technology Centers liegt darin, dass es nicht für einen einzelnen Wirkstoff oder eine klar definierte Prozesskette gebaut wurde. Stattdessen muss es eine Vielzahl möglicher Szenarien abbilden können – von frühen Entwicklungsmengen bis hin zu marktnahen Produktionschargen, von moderat wirksamen Substanzen bis zu hochpotenten Wirkstoffen mit strengen Containment-Anforderungen. Das Gebäude ist damit weniger eine klassische Produktionsstätte als eine technische Plattform, die bewusst darauf ausgelegt wurde, wechselnde Anforderungen aufzunehmen.
Diese Offenheit stellt außergewöhnliche Anforderungen an Architektur und Technik. Containment, GMP und ATEX sind hier keine punktuellen Anforderungen, sondern Grundprinzipien, die den gesamten Aufbau prägen.
Räume müssen unterschiedliche Sicherheitsstufen unterstützen können, Oberflächen und Schnittstellen vollständig reinigbar sein, um Kreuzkontamination zuverlässig auszuschließen. Gleichzeitig sind Zugänge, Schleusen und Wartungsbereiche so ausgelegt, dass Eingriffe kontrolliert und sicher möglich bleiben – unabhängig davon, welche Substanzen verarbeitet werden.
Damit dieser Grad an Variabilität möglich wird, folgt das Gebäude einer Infrastrukturlogik, die auf klaren Trennungen und reproduzierbaren Bedingungen basiert. Technikzonen und Reinraumbereiche führen Material- und Personenströme präzise, Medienkanäle und Versorgungspunkte ermöglichen die Integration neuer Prozessmodule, ohne tief in die Struktur eingreifen zu müssen. So entsteht ein Umfeld, das höchste Sicherheitsstandards erfüllt und gleichzeitig die Flexibilität bietet, um Wirkstoffe mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften sicher zu verarbeiten.
Filteranlagen als integraler Bestandteil des Prozesses
Im Launch & Technology Center sind die Filtersysteme als fester Bestandteil in die Reinraumarchitektur eingebettet. Jede Anlage sitzt direkt in der Wand – exakt an den Punkten, an denen Produktströme entstehen: am Wirbelschichter, an der Tablettenpresse und am Coater. Diese Nähe zum Prozess folgt einer klaren technischen Logik: Die Filtration greift dort ein, wo Partikel entstehen, und sorgt dafür, dass selbst hochaktive Stäube unter OEB-6-Bedingungen sicher eingeschlossen bleiben.Die Integration in den Reinraum stellt hohe Anforderungen an Aufbau und Materialführung. Alle Komponenten müssen vollständig zugänglich, rückstandsfrei reinigbar und validierbar sein, damit Produktwechsel ohne Risiko einer Kreuzkontamination möglich sind. Oberflächen, Dichtschnittstellen und Rohrleitungen sind so gestaltet, dass sich Reinigungsprozesse reproduzierbar durchführen und dokumentieren lassen – ein zentraler Aspekt in einem Umfeld, das wechselnde Wirkstoffe und variable Prozessketten aufnehmen muss.
Als direkter Lieferant und Systempartner waren wir von Beginn an in die Planung eingebunden. Gemeinsam mit dem Kunden wurden passende Systeme für die jeweiligen Prozessschritte entwickelt – Systeme, die sich präzise in die Reinraumarchitektur einfügen und gleichzeitig die technischen Anforderungen an Containment, Reinigbarkeit und Bedienbarkeit erfüllen. Besonders anspruchsvoll war die Gestaltung der produktführenden Rohrleitungen: Sie müssen vollständig entleert, sicher zugänglich und bis ins Detail reinigbar sein, ohne den baulichen Rahmen zu durchbrechen. Die hierfür konzipierten Lösungen erlauben eine vollständige und validierbare Reinigung, auch bei hochaktiven Substanzen.Neben Containment und Reinigung spielte auch der Explosionsschutz eine wesentliche Rolle. Da viele pulverförmige Wirkstoffe potenziell zündfähige Atmosphären erzeugen können, sind die Filteranlagen und relevanten Anlagenteile nach ATEX-Kriterien ausgelegt.Elektrostatische Aufladung, mögliche Zündquellen und konstruktive Druckentlastung wurden bereits in der Planungsphase berücksichtigt und in die Systemarchitektur integriert.
Hinzu kommen digitale Schnittstellen, die den Anlagenzustand, Filterperformance und relevante Prozessdaten in Echtzeit bereitstellen. Diese Daten ermöglichen nicht nur eine transparente Dokumentation, sondern unterstützen auch vorausschauende Wartungskonzepte und die Integration in das übergeordnete Gebäudemanagementsystem. So entsteht ein technologisches Umfeld, in dem Filtration nicht als nachgelagerte Funktion wirkt, sondern als präzise abgestimmter Bestandteil der Prozesskette – direkt am Produkt, direkt im Reinraum und direkt in der Verantwortung für Sicherheit, Reinigbarkeit und Prozesskontrolle.
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Nachhaltigkeit als technische Leitlinie
Nachhaltigkeit ist im Launch & Technology Center kein ergänzender Anspruch, sondern Teil der technischen Grundidee. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Prozesssicherheit nicht getrennte Ziele sind, sondern sich gegenseitig unterstützen. Geothermie, Photovoltaik und ein intelligentes Wassermanagement bilden die infrastrukturelle Basis; dazu kommen Systeme, die den Energiebedarf einzelner Prozessschritte präzise erfassbar machen und deren Effizienz kontinuierlich überwachen. Auch die Filteranlagen sind in dieses Konzept eingebunden: Druckverluste, Standzeiten und Reinigungszyklen lassen sich digital auswerten, sodass die Anlagen stets im optimalen Betriebsbereich arbeiten und unnötiger Ressourcenverbrauch vermieden wird.
Gleichzeitig trägt die hohe Reinigbarkeit der Einrichtungen einen wesentlichen Teil zur Nachhaltigkeit bei. Prozesse, die reproduzierbar und rückstandsfrei gereinigt werden können, reduzieren nicht nur das Risiko von Fehlchargen, sondern auch den Verbrauch von Reinigungsmedien und die benötigte Wassermenge. Jede vollständige Reinigung bedeutet damit nicht nur Sicherheit, sondern auch Effizienz – im Betrieb wie in der Validierung.
Das Launch & Technology Center zeigt damit, wie sich moderne Pharma-Architektur entwickeln kann, wenn Flexibilität, Sicherheit und Nachhaltigkeit gemeinsam gedacht werden. Das Gebäude ist nicht auf einen festen Wirkstoff ausgelegt, sondern auf die Fähigkeit, sich neuen Anforderungen anzupassen. Genau darin liegt seine Bedeutung für die Zukunft: Es schafft einen Rahmen, in dem neue Generationen von Wirkstoffen unter kontrollierten Bedingungen entstehen können – unabhängig davon, wie unterschiedlich sie sein mögen.
Die enge Integration in die Reinraumarchitektur, die digitale Vernetzung und die konsequente Ausrichtung auf Sicherheit und Reinigbarkeit zeigen, wie technologische Lösungen aussehen müssen, wenn Produktionsumgebungen auf langfristige Veränderbarkeit ausgelegt sind.
Ein Projekt mit Wirkung über den unmittelbaren Prozess hinaus
Das Launch & Technology Center zeigt, wie pharmazeutische Produktionsumgebungen aussehen können, wenn Flexibilität, Sicherheit und technische Präzision von Anfang an zusammen gedacht werden. Die Architektur ist darauf ausgelegt, unterschiedlichste Wirkstoffe unter stabilen, reproduzierbaren Bedingungen zu verarbeiten und dabei höchste Anforderungen an Containment, Reinigbarkeit und Dokumentation zu erfüllen. Damit entsteht eine Struktur, die nicht an einen festen Prozess gebunden ist, sondern neue Verfahren schnell und kontrolliert aufnehmen kann.
In dieser Form wird das LTC zu einem Modell dafür, wie sich moderne Herstellprozesse weiterentwickeln lassen. Die Kombination aus integrierter Reinraumtechnik, digitaler Transparenz, energieeffizienter Infrastruktur und flexibel nutzbaren Prozesszonen schafft ein Umfeld, das langfristig tragfähig bleibt – auch dann, wenn zukünftige Wirkstoffe neue Anforderungen stellen. Das Projekt zeigt, dass Produktionsgebäude nicht nur auf den aktuellen Bedarf reagieren müssen, sondern auf eine Zukunft vorbereitet sein sollten, deren Anforderungen heute noch nicht vollständig bekannt sind.
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